Donnerstag, 5. Januar 2017

~ Begegnungen II ~

Und es geschah, dass ich wieder beim Arzt saß. Das Wartezimmer brechend voll. Eine Stunde musste ich auf den Gott in Weiß bzw. den weltbesten aller Hausärzte warten.

Ich erinnere mich dunkel an eine ältere Dame, die ins Wartezimmer kam und ihre Jacke nahm. Warum ich von dieser diese später diese hübsche kleine Blume geschenkt bekam, kommt später.

Nach meinem Gespräch nahm auch ich meine Jacke und verließ die Praxis, kam durch die lange Wartezeit zu spät zu meiner Nachmittagsverabredung. Meine Begleitung im Café verbrühte die arme Kellnerin, weil er ihr wild gestikulierend das Tablett aus der Hand schlug.. aber das nur am Rande.

Danach fuhr ich in die Stadt, schaute mal, ob ich ne neue Jacke finde - so im Ausverkauf, weil meine jetzt schon in die Jahre gekommen ist.

Dann traf ich mich mit Freunden auf dem Wintermarkt, schüttete mir Glühwein über die Jacke, aß vegane Wurst im Brötchen und trank noch einen Glühwein. Irgendwann wurde es uns zu kalt und wir verlagerten uns in ein Brauhaus. Meine Jacke zog ich aus und legte sie neben mich, um 5 Minuten später dort nach meiner Jacke zu suchen. Denn die, die dort neben mir lag, war nicht meine. Sah zwar ähnlich aus, war sie aber nicht. Meine Freunde hielten meine Äußerungen, dass ich meine Jacke suchte, für einen Scherz. Ich hörte dann irgendwann auf, davon zu erzählen und griff das Thema erst wieder auf, als wir uns auf den Heimweg machten. DAS war nicht meine Jacke. Erst dann verstanden die Freunde, dass ich das ernst meinte.

Ich trug also die Jacke einer anderen Frau - schon den ganzen Tag - und hab es erst abends gemerkt. Es war eine schöne Jacke.. ok, mit Daunen, das hätte ich mir nie gekauft, aber warm und neuer als meine.

Sie passte wie angegossen, ich machte einen kleinen Catwalk im Brauhaus unter Hinzuziehung des Nachbartisches. Entgegen der Empfehlungen aller hab ich dann doch am nächsten Tag in der Praxis angerufen und gesagt, dass da wohl eine Verwechslung stattgefunden hat. Die Dame, deren Jacke mich so gewärmt hatte, hatte ein so schlechtes Gewissen, dass sie neben meiner Jacke auch die Blümchen da gelassen hatte. Wäre nicht nötig gewesen aber schön wars doch.

Kommentare:

  1. Liebe Anja, schöne Geschichte mitten aus dem Alltagsleben - das sieht man wieder, wie leicht es ist, friedlich, freundlich miteinander umzugehen, täten es alles Menschen gleich, gäbe es keinen Krieg, Terror.

    Sagte ich es nicht schon - es könnte alles so einfach sein !

    Hättest ja mal ein Bild posten können von der FREMDEN (Jacke ) !

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    1. Ach schade, auf die Idee mit dem Bild bin ich in der Tat nicht gekommen. :-(

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  2. Zufälle gibt es :)
    Irre was du zur Zeit so alles erlebst!

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    1. Och ja... da gibt es immer noch mehr Geschichten. Aber die gehören nicht alle ins Netz. :-)

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  3. Liebe Anja,
    das ist ja lustig! Und bemerkenswert, dass ihr die Verwechslung dann rückgängig machen konntet. Ich bin zwar auch schon mal mit einer fremden Jacke aus einer Schihütte spaziert, merkte aber sehr schnell den Fehler und konnte ihn noch korrigieren! :) Dafür "besitze" ich seit ca. 15 Jahren fremde Handschuhe und hoffe, das "meine" beim Verwechslungspartner ebensolange gehalten haben! :D

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    1. Liebe Doris,

      ich war wirklich selbst erstaunt, dass ich das so spät bemerkt hab. Die Dame wohl eher. Allerdings ist mein privates Mobiltelefon in Reparatur und so hab ich die Anrufe aus der Praxis, die 1 und 1 zusammengereimt haben, nicht erhalten.
      Gruß
      Anja

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  4. Von den netten Begegnungen und Betrachtungen mal abgesehen frage ich mich aber: warum bringst du so viel Zeit bei Ärzten zu? Ist deine Heizung zu Hause kaputt?

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    1. Und die vermutlich im Freudschem Verwechselmodus erhaltene Daunenjacke bestätigt die Vermutung ebenfalls ;)

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    2. Ja genau, Heizung kaputt oder ich muss sparen. Außerdem gibt es da immer so bunte Zeitungen, die ich mir nie kaufe. ;-)

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    3. ich liebe einfache und eingängige Erklärungen :D

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  5. Scheint ja ein kommunikatives Jahr für Dich zu werden :-)

    Die Frage von Lizzy treibt mich übrigens auch um ;-)

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,

      DAS will ich doch hoffen.
      Gruß
      Anja

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  6. Liebe Anja,

    wegen der bunten Zeitungen bin ich bisher immer zum Frisör oder in die Sauna gegangen ... ist teurer, aber der Anlass für die Lektüre ist erquicklicher. Allerdings hatte ich beim Frisör und auch in der Sauna noch keine so schönen Begegnungen wie du. Unter diesem Gesichtspunkt muss ich meine Strategie überdenken ... aber auch nur unter diesem. Auf dass für dich so nette Begegnungen häufig wiederkehren, aber an anderen, schöneren Orten stattfinden mögen. Das mit dem Rheinufer war doch schon mal ein Anfang.

    Viele Grüße,
    Anne

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    1. Liebe Anne,

      also, in der Sauna wäre ich dann doch etwas vorsichtiger mit diesen kommunikativen Männern. :-) Und beim Friseur ist es bei mir immer kommunikativ, was wohl an dem sehr redebedürftigen Türken liegt, der nur deshalb meine Haare schneiden darf, weil er es gut kann. Ansonsten ist das manchmal sehr anstrengend. :-)

      Gruß
      Anja

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  7. Liebe Anja,
    in Deinem Leben ergeben sich aber viele interessante Erlebnisse und Verwicklungen! Immer wieder schön, wenn es sich am Ende zum Guten wendet. Ich hoffe, dass aber auch der Arztbesuch für Dich positiv war. Neben der hier schon angesprochenen Auswahl an bunter Lektüre im Wartezimmer ;-)
    Liebe Grüße
    Elke

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  8. Liebe Anja,
    ehrlich währt am längsten oder so ähnlich und die fremde Dame hat sich sogar berufen gefühlt sich zu entschuldigen, obwohl sie gar nicht damit rechnen konnte, dass ihre Jacke wieder auftaucht...nette Geschichte.

    Salut

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  9. Liebe Anja,

    schöne und lustige Begegnunen hast du. Wahrscheinlich weil du einfach offen dafür bist.
    Muss ich vermuten, dass deine Jacke nicht so gut ankam bei der anderen Dame, dass sie es gleich gemerkt hat? Und was ist mit dem Glühwein? Musstest du die Jacke mit dickem Fleck zurückgeben?
    Ansonsten rate ich auch die Begegnungen ans Rheinufer oder in die Kneipe zu legen für dieses Jahr!

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